Party im Viertel
Jarek ist für eine Woche nach Polen gefahren, ich konnte mich zu hundert Prozent dem Deutschen widmen, zumal es die letzten Tage des A2-Kurses waren. Normalerweise hätte ich meine Zeit damit verbracht, die Nachbarn zu quälen, an den Unterrichtsstunden teilzunehmen, Aufgaben zu machen, zuzuhören, auf Deutsch zu sehen und zu schreiben. Ich nenne das „in die Sprache eintauchen“. Allerdings verfolgt mich seit vermutlich drei Wochen die Schweizer Polizei und belästigt mich ununterbrochen mit Anrufen. In der Nachbarschaft ist ein Wasserrohr geplatzt; das Möbelstück/der Bausatz, das vor Ende Dezember kommen sollte, kam gestern an. Das Rohr in der Nachbarschaft ist buchstäblich unter meinem Fenster geplatzt, die Mannschaft buddelt seit zwei Tagen und hat hier ein Loch gegraben, das bis in die Erde führt. Die Temperatur im Haus sinkt rapide und ich kann nicht feststellen, ob der Ausfall meiner Heizung mit dem niedrigen Wasserdruck im Wasserhahn zusammenhängt oder ein separates Problem ist. Außerdem streifen Gruppen von Kindern durch die Nachbarschaft und klingeln mit Mini-Kuhglocken, wodurch mir der Blutdruck steigt. Ohne zu wissen, warum sie so herumlaufen und wofür sie klingeln, habe ich für den Fall, dass sie an meine Tür klopfen, einen Vorrat an Mandarinen angelegt. Angeblich hätten die Kinder die Früchte sowieso nicht gewollt, sie hätten um Geld für die Finanzierung unserer Dorfschule gebeten, erfuhr ich von der Nachbarin. Ich habe die Kinder nicht hereingelassen, weil ich gerade beim letzten Deutschkurs eine Darbietung machte und bewies, dass ich den Stoff gründlich kenne und praktisch anwenden kann.
Außerdem erfuhr ich gestern von einer Nachbarschaftsparty, die heute stattfinden wird. Ich zahle Beiträge für diese Feiern, meistens während der Sause, und es ist mir noch nie gelungen herauszufinden, wofür genau ich bezahle. Anders als die „Snobs“ aus der französischen Schweiz, die Wein genießen, trinkt man hier Schnaps. Wofür mein Geld verwendet wird, dachte ich nach, bis mir eine andere Nachbarin half: Du zahlst für Schnaps, Wurst und Kuchen, und zur Feier sollst du gute Laune und eine Wolldecke mitbringen. Zur Sicherheit nehme ich noch meinen bewährten Wein mit ;)
Wer weiß, wie viele Schnapstrinker ich heute aus dem Krater auf meinem Grundstück bergen muss und was meine Haftpflichtversicherung dazu sagt.
Der dienstbeflissene Schweizer Polizist, der mich mit Anrufen verfolgt, befasst sich mit dem Fall eines 2012 gestohlenen Autos. Ich habe die Anzeige im Namen der Halterin erstattet, die Freundin steckte in Polen ohne Transportmittel mit einem riesigen Hund und einer normalgroßen Katze fest. Das Auto wurde angeblich bereits 2018 in Polen gefunden, aber irgendetwas lief schief, sodass die Schweizer Polizei erst im Oktober dieses Jahres darüber informiert wurde. Die Versicherung bestätigt nicht, dass sie eine Entschädigung für das gestohlene Auto gezahlt hat, obwohl die Autobesitzerin etwas anderes behauptet. Der Polizist hat Zweifel — in wessen Interesse sollte sie lügen? Nach einem Nachweis von vor dreizehn Jahren suchen, und wer bewahrt Unterlagen so lange auf, außer jemand wurde geplündert? Der Polizist ist ratlos und sucht meine Unterstützung, im letzten Gespräch schlug ich vor, dass die Freundin ihr Auto gern abholen könne, aber der Kerl ruft nicht zurück.
Die Feier in der Nachbarschaft war erfolgreich, niemand hat sich in dem auf meinem Grundstück gegrabenen Loch eingenistet. Nach zwei Stunden bin ich vor den Nachbarn geflohen, der nidwaldner Dialekt des Deutschen machte mich müde. Ich kam in mein kaltes Haus zurück, die Temperatur war bereits auf vierzehn Grad gefallen.
Zum Niederschreiben,
Bis zum nächsten Katzengulasch!
Katarzyna Sikora Borowiecka
P.S. Der Heizungsausfall hatte nichts mit dem in der Nachbarschaft geplatzten Rohr zu tun. Das Problem wurde am nächsten Morgen behoben.

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